Ein halbes Jahrhundert Missionsarbeit in Sibolga / Sumatra.

Novitzen
Novitzen Sibolga

In der Zeit, als in der Kapuzinerprovinz Brixen noch viele junge Männer Kapuziner werden wollten (in den Jahren zwischen 1955 bis 1975), blühte auch die Missionsbegeisterung unter den Klerikern. Nicht verwunderlich, hat doch die franziskanische Familie als Erbe vom hl. Franziskus die Begeisterung für die Mission mitbekommen. Verschiedene Missionsbischöfe kamen nach Brixen, um für ihr Missionsgebiet zu werben. Als es dann aktuell wurde hat die Generalleitung des Kapuzinerordens entschieden, dass wir aus Südtirol in Zusammenarbeit mit der rheinisch-westfälischen Kapuzinerprovinz in der Präfektur Sibolga auf Sumatra mitwirken sollen. P. Hilarius Innerkofler war der erste, der im Januar 1962 von Genua nach Indonesien ausreiste. Ihm folgten P. Leonhard und P. Anselm 1964, P. Alfred 1966, P. Barnabas und P. Wilfried 1970, P. Albert 1971 und Br. Stefan 1973.

Wegstationen unserer Missionare: Im Jahre 1962 feierte P. Hilarius Ostern in der Gemeinde von Padangsidempuan, 88 klm  südlich von Sibolga. Er schrieb damals: „Als Kirche benutzten wir zwei Räume der staatlichen Mittelschule.“ und er fügte hinzu: „Ein Mann aus einem Dorf war hier und sagte, dass das ganze Dorf katholisch werden möchte.“

P. Hilarius kam nach Pangaribuan und begleitete P.Lukas Renders auf Stationsbesuche. Er schrieb aus dem Jahre 1963. Auf einen solchen Stationsbesuch sagte dieser Pater von einer Station.: „ Diese besuchen wir nicht mehr, denn es sind nur mehr 12 Leute dort, alle andern sind verzogen.“ Später besuchte ich sie doch. Aus den 12 Katholiken sind inzwischen 60 geworden; ja, sie hatten sogar eine kleine Kapelle gebaut. Mit welcher Freude sie nach 5 Jahren endlich wieder einen Priester begrüßten, kann man sich vorstellen.“

Da P. Hilarius erstaunlich schnell die zwei wichtigen Sprachen: Indonesisch und Batak erlernte und bei den Leuten gut ankam, so durfte er eine neue Hauptstation aufbauen, Tarutungbolak, einen Teilgebiet der Pfarrei Pangaribuan. 1964 errichtete er dort ein Pfarrhaus. Dort gründete der eine Bauergenossenschaft (Ikatan betani panjasila) d.h. in verschiedenen Dörfer wurde bei der Reisernte, von den Mitglieder an einem Ort Reis gesammelt und aufbewahrt, der dann in Zeiten der Notwendigkeit (Familien feste usw.) ausgeliehen wurde. Sodann erwarb er Land zur Umsiedlung für jene, die eben ein Stück Reisfeld suchten: zwei Dörfer konnte er gründen. Auch an eine Genossenschaft von Fischer durch Ankauf eines Bootes und Netzes wagte er sich. In diesem Gebiet war ja ein schöner Meeresstrand. Dazu noch die Seelsorge für die Pfarrkinder in etwa 60 weit verstreuten Dörfern betreuen war sicher eine riesige Herausforderung.

Im Jahre 1964 kamen fünf Franziskanerinnen von Reute / Ravensburg in die Präfektur, um dort ihren ersten Missionseinsatz zu wagen. So ließ Bischof Gratian Grim in Südtapanuli in der Stadt Padangsidempuan ein Zentrum für sie bauen. Br. Deogratias, ein Kapuziner aus Deutschland wurde dafür beauftragt. Südtapanuli wurde damals noch von Br. Hilarius betreut aus Tarutungbolak über 100 klm entfernt. So dachte man ein neues Pfarrgebiet zu gründen. Als nun die Schwestern 1965 nach Padangsidempuan zogen, wurde Br. Leonhard zum  neuem Destriktseelsorger ernannt. Damit wurde Br: Leonhard für einige Jahrzehnte Begleiter dieser Schwesternkongregation, die sich gut entwickelte zu einer Region OSF Reute / Sibolga mit verschiedenen Niederlassungen in Indonesien.

Ein schwarzer Tag war, als im Juni Jahre 1970 Br. Hilarius Innerkofler verunglückte:  durch eine Sturz in seiner Hauptstation Tarutungbolak  erleidet er Querschnittslähmung. Er wird nach Deutschland gebracht zur Behandlung, bleibt aber dann querschnittgelähmt bis zu seinem Tode in Bruneck 2006.

Bei einem Ordenskapitel betonte Br. Blasius: „Es muss auch für Brüderkandidaten etwas getan werden; denn eine Provinz ohne Brüder ist nur eine halbe Sache.“ So suchte man einen Mitbruder für diese Aufgabe und es traf dann P. Barnabas Winkler. Ernstlich ging er dieses Anliegen an und am 17. Mai 1973 wurden die Fundamente für das Brüderhaus in Gunung sitoli gelegt und zwar von den Brüderkandidaten selbst gebaut.

Als dann fünf Schwestern des Klarissenklosters Senden aus Westfahlen eine Missionsstation in der Präfektur Sibolga gründen wollten, wurde Gunung Sitoli für dieses Klarissenkloster ausersehen und P. Barnabas mit seinen Brüdern und Brüderkandidaten baute dieses Kloster  auf einen schön gelegenen Hügel in unmittelbarer Nähe des Bruderan ( Haus für Brüderkandidaten.) Am  26. Dezember 1976 konnten dann diese Klarissenkloster „ST. Klara“  eingeweiht werden. In den folgenden Jahren begleitet P. Barnabas diese Schwestern, die bald Neugründungen wagten z.B. in der Diözese Medan „Sikeben“. !976 wurde die Kapuzinerprovinz Indonesien gegründet. Medan, Pontianak und Sibolga als eine  einzige Provinz in drei Regionen: aber diese weiten Entfernungen. Auch P. Barnabas Winkler war Provinzial dieser großen und ausgedehnten Provinz. Im Jahre 1993 wurde dann doch diese riesige Provinz in drei Provinzen aufgeteilt: Medan, Pontianak und Sibolga. Diese Mission wurde von Jahr zu Jahr einheimisch d.h. einheimische Priester und Brüder und auch die Leitung ging an einheimischen Kräften über. !981 wurde P.Anizet Sinaga der erste Bischof der Diözese Sibolga. Am 6. Januar 1982 vom Papst Yohannes Paulus II in Rom zum Bischof geweiht. Unser P. Alfred Kugler baute drei verschiedene Hauptstationen aus: Tetihösi, Gidö und Amandraya, alle drei auf Nias. In Gidö begann er auch mit einem Kinderdorf. Da Bischof Anizetus Sinaga nach Medan versetzt wurde, übergab er die Leitung der Diözese Sibolga P. Barnabas zur Zeit als ein Seebeben und den nachfolgenden Tsunami auf Nias viel zerstört wurde im Jahre 2004 am zweiten Weihnachtstag und als ein schreckliches Erdbeben die Insel Nias heimsuchte, Ostermontag 2005. P.Barnabas konnte aus den Trümmern des Bischofhauses in Gunung Sitoli gerettet werden.  Der eifrigste und beharrlichste Seelsorger  ist wohl unser P. Anselm Vettori auf der Insel Nias. Im März 2007 wurde von Papst Benedikt XVI Br. Ludovikus Simanullang zum neuem Bischof von Sibolga ernannt und am 20. Mai 2007 in Sibolga vom apostolischen Nuntius zum Bisychof geweiht. P. Dr. Ludovikus Simanullang stammt aus der Pfarrei Pangaribuan Barus 19055 geboren. Damit war P. Barnabas von der Leitung der Diözese entlastet. Will man alles aufzeichnen, was so im Verlaufe der 50 Jahre geschehen ist, wäre noch viel zu nennen. Da wäre z.B. noch gar manches zu erzählen vom Wirken unseres P. Albert Piok. Zwei von den acht Südtirolern sind bereits in die Ewigkeit vorangegangen. P.Hilarius Innerkofler und P. Wilfried Winkler.

In dieser Zeit hat di Südtiroler Bevölkerung uns Missionaren viel geholfen durch Gebet und Spenden. Allen tausendmal „Vergelt es Gott“.  Br. Leonhard

5 Kommentare

  1. Wie gut es tut, diesen Artikel zu lesen und diese Bilder zu sehen! 2007 war ich selbst auf Nias, um dort vorrangig im therapeutischen Zentrum in „Fodo“ (aber auch im Kinderdorf in Gidö) mitzuwirken. Monate voller unbeschreiblicher Momente und prägender Begegnungen. Eine unvergessliche Zeit, für die ich P. Barnabas, der dies alles ermöglicht hat, heute noch dankbar bin. Unvergesslich bleibt auch die Bischofsweihe, so wie viele weitere Ereignisse und auch die spannenden Geschichten von P. Leonhard! Auf diesem Wege einen lieben Gruß nach Südtirol und natürlich nach Indonesien! Yahowu! 🙂

  2. Hallo…ich habe eine, für mich persönlich sehr wichtige Frage…. Mein Vater errichtete irgendwann Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre in Sibolga eine kleine Kirche mit Pater Matthäus Bergmann. Beide, mein Vater und auch Pater Matthäus kamen aus Haren an der Ems (Deutschland). Weiß jemand über/von diesem Sachverhalt? Es wäre mir sehr wichtig, darüber etwas zu erfahren. Viele Grüße

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